
Podencos - mühsam und kompliziert?!
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Seit Jahren schon quengelt immer wieder die Eine oder der Andere, ich soll doch mal einen Text über Podencos schreiben.
Das habe ich bisher immer aus zwei Gründen abgelehnt.
Zum einen möchte ich nicht, daß irgendjemand einen Podenco nur wegen eines nett geschriebenen „Werbetextes“ adoptiert.
Und zum anderen sind Podencos viel zu großartig, um sie in ein paar tausend Wörtern zu beschreiben.
Und jetzt sitze ich doch am Computer und schreibe einen Text.
Denn ich möchte mit einem Vorurteil aufräumen, dass ich immer und immer und immer wieder zu hören bekomme.
Podencos sind – mühsam und kompliziert
Dazu kann ich nur sagen, die Aussage ist absolut schwachsinnig.
Ich habe inzwischen wirklich VIELE Hunde hier zu Gast gehabt.
So um die 250 werden es gewesen sein. (Stand Januar 2008).
Und dabei war wirklich alles vertreten. Vom Mini-Pinscher zum Pudelmix. Rassehunde wie Beagle und Dalmatiner, vom Schäferhund über den Labradormix zum Presa Canario Mischling. Alle Größen, jedes Alter, beiderlei Geschlecht.
Ich muß sagen, nur ganz, ganz selten war ein Hund dabei, der so mühelos und unkompliziert in der Handhabung war wie ein Podenco.
Das meine ich ganz ernst.
Die Frage ist einfach, was erwarte ich von einem Hund?
Was ich mit der Frage meine, möchte ich mit ein paar Beispielen verdeutlichen.
Stellen Sie sich mal vor, Sie gehen allein am Abend in der Dämmerung mit Ihrem Hund spazieren.
Wie es in der heutigen Zeit ja leider gar nicht so selten ist, werden Sie von zwei Jugendlichen angepöbelt.
Wünschen Sie sich einen Hund, der sich dann dazwischen stellt, knurrt und die Zähne zeigt?
Wünschen Sie sich einen Beschützer, der sein eigenes Leben geben würde, um das Ihre zu retten?
Dann sind Sie mit einem Podenco falsch beraten.
Ein Podenco wird, so bald die Situation brenzlig wird, versuchen zu flüchten.
Ich kann das sehr gut nachvollziehen.
Ein Podenco kann eine Geschwindigkeit von 60 km/h erreichen. Und das innerhalb von Augenblicken.
Warum sollte er das Risiko eingehen verletzt zu werden, wenn er doch mit wenigen Sprüngen in Sicherheit ist?
Das wäre doch dumm.
Die meisten Menschen würden sich vom Hund im Stich gelassen fühlen.
Das kann man aber auch anders rum sehen.
Der Podenco wird erwarten, dass Sie in dieser Situation das einzig Vernünftige tun, nämlich flüchten.
Er kann ja nicht wissen, dass Sie zum Weglaufen zu langsam sind.
Was erwarten Sie von Ihrem Hund?
Gehören Sie zu den Menschen, die es toll finden, einen dressierten Hund zu haben? Eine Art Marionette, die an unsichtbaren Fäden hängt und jedes Ihrer Kommandos ausführt?
Gehen wir wieder ein Stück spazieren.
Mit einem Freund vielleicht. Sie wollen sich ein bißchen damit brüsten, was der Hund alles in der Hundeschule gelernt hat.
Sie sagen sitz.
Der Hund sitzt.
Sie sagen Pla...
... und noch bevor Sie das ...tz fertig ausgesprochen haben, liegt der Hund.
Sie sagen bleib und gehen mit Ihrem Freund ein Stückchen weiter.
Der Hund liegt, aufmerksam auf das nächste Kommando wartend.
Sie rufen den Hund zu sich.
Freudestrahlen springt der Hund auf und läuft auf Sie zu.
Kein Blick rechts oder links.
Das erneute Kommando „Sitz“ lässt den Hund auf halber Strecke quasi im Flug erstarren und auf dem Hintern landen.
Das ist ganz sicher eine beachtliche Leistung.
Sie haben viel, viel, viel und hart geübt.
Der Hund himmelt Sie an und versucht Ihnen jeden Ihrer Wünsche von den Augen abzulesen, bevor Sie ihn überhaupt gedacht haben.
Alles, wirklich alles wird der Hund tun, um Ihnen zu gefallen.
Wenn Sie einen solchen Hund suchen, sind Sie auch nicht der Podenco- Mensch.
Natürlich kann man einem Podenco die Grundkommandos beibringen.
Ein Podenco ist ja nicht blöd.
Im Gegenteil:
Wenn Sie zuhause im Wohnzimmer auf dem dicken Teppich üben und einen Ring Fleischwurst in der Hand haben, wird jeder Podenco in Windeseile das Kommando „Sitz“ erlernen.
Aber draußen beim Spaziergang ist das ganz was anderes.
Sagen Sie doch mal „Sitz“ zu Ihrem Freund.
Erwarten Sie tatsächlich, dass er sich auf Ihr Kommando hin auf die Erde setzt? Und dann wohlmöglich auch noch ins Nasse?
Ihr Freund wird Ihnen einen Vogel zeigen und Sie fragen, ob Sie irgendwas im Kaffee hatten, dass Sie auf so absonderliche Ideen kommen.
So in etwa sieht das auch ein Podenco.
Oder können Sie mir einen nachvollziehbaren Grund nennen, warum man sich mitten beim Spaziergang auf Kommando hin setzen soll?
Überhaupt, wer braucht schon Kommandos?
Unterordnung?
Wenn ein Podenco wert auf so was legen würde, wäre er Schäferhund geworden.
Nein, Podencos haben keine Lust auf schwachsinnige Befehle.
Wenn ich mit einem Schäferhund am Abgrund stehe und sage: Spring!
Dann springt er.
Wenn ich mit einem Podenco am selben Abgrund stehe und sage: Spring!
Dann sagt der Podenco: Du zuerst. Und ich gucke dann mal.
Würden Sie das anders machen?
Natürlich kann man mit einem Podenco in die Hundeschule gehen.
Eigentlich alle Podencos werden dort viel Spaß haben.
Nämlich darin, den Laden aufzumischen und für gute Laune zu sorgen. Natürlich nur unter den Hundekumpels, die nämlich plötzlich auch überhaupt nicht mehr einsehen, warum Sie irgendwelche albernen Kommandos befolgen sollen, wenn man statt dessen so herrlich auf der Wiese herum toben kann.
Ich möchte wetten, Sie selbst können sich auch wesentlich angenehmere Dinge vorstellen, als zur Arbeit zu gehen.
Was erwarten Sie von Ihrem Hund?
Möglicherweise gehören Sie zu den Hundesport- Menschen.
Sie finden es vielleicht ganz klasse, wenn Sie einen Hund haben, der über Hindernisse springt, durch Tunnel krabbelt oder Slalom läuft.
Oder Sie möchten, dass Ihr Hund Bällchen spielt oder Stöckchen holt.
Auch was das an geht, sind Sie mit einem Podenco eher falsch beraten.
Setzen wir uns doch mal gemütlich in Ihren Garten.
Ein lauer Sommerabend, die Grillen zirpen, geruhsame Stimmung. Natürlich ist auch Ihr Freund wieder da, der einfach nur rum hängt und das Leben genießt.
Plötzlich bekommen Sie einen Spielanfall und meinen einen Ball ans andere Ende des Gartens werfen zu müssen.
Würden Sie im ernst von Ihrem Freund erwarten, dass er aufsteht und den Ball, den Sie schließlich mutwillig geworfen haben, zurück holt?
Naja, weil’s Ihr Freund ist, macht er das vielleicht. Ihnen zuliebe.
Aber spätestens, wenn Sie den Ball dann wieder wegwerfen, wird ihr Freund mit dem Kopf schütteln und sagen: Hol’ das Ding doch selber. Du hast’s schließlich weggeworfen.
So in etwa sieht das auch der Podenco.
Natürlich gibt es auch Podis, die Ball spielen.
Auch ich selbst hatte schon einige davon zu Gast.
ABER: Die Podis spielen mit sich selbst Ball. Wenn sie selbst es wollen.
Ich bin sicher, Ihr Freund hätte nichts dagegen, wenn Sie mit dem Ball jonglieren.
Ihr Freund hätte auch ganz sicher nichts dagegen, wenn Sie in Ihrem Garten eine Hindernisbahn aufbauen, über bunte Bretter springen, im Slalom zwischen irgendwelchen Hütchen durchlaufen und dann auch noch durch einen Tunnel robben.
Nein, Ihr Freund hätte bestimmt nichts dagegen.
Vielleicht würde er es auch mal probieren wollen. So wegen des gemeinschaftlichen Spaßeffektes. Weil’s mal was Anderes ist und ja auch irgendwie interessant.
Aber wenn Sie dauernd zwischen diesen Hütchen hin und her tanzen und Ihren Freund zum Mitmachen animieren, würde der sich vermutlich an die Stirn fassen.
Und jetzt möchte ich Sie noch mal zu einem Spaziergang einladen.
Wie soll der aussehen?
Möchten Sie mit Ihrem Hund, und natürlich Ihrem Freund, aufs Feld gehen. Möchten Sie die Leine von Ihrem Hund abmachen und sich ums Genick hängen? Und dann die Hände in die Tasche und Sie schlendern gemütlich den Feldweg runter, während Sie sich mit Ihrem Freund unterhalten? Ihr Hund schnuppert derweil ein paar Meter vor Ihnen, mal ein paar Meter hinter Ihnen, aber Sie brauchen sich nicht weiter um Ihn zu kümmern. Und nach dreißig Minuten sind Sie wieder am Ausgangspunkt angelangt, machen die Leine fest, bedanken sich bei Ihrem Freund für das nette Gespräch und gehen nach hause.
Ist das so Ihre Vorstellung von Spazieren gehen?
Dann frage ich mal ganz provokativ: Wieso gehen Sie dann überhaupt mit Ihrem Hund spazieren, wenn Sie sich nicht mit ihm beschäftigen?
Das Gespräch mit Ihrem Freund hätten Sie auch zuhause im Garten führen können. Da wären Sie auch an der frischen Luft gewesen.
Ein Spaziergang mit einem Podenco sieht anders aus.
Erst mal bleibt die Leine dran.
Wie bei einem guten Bergsteigerteam. Da sichert auch der eine den anderen.
Und dann geht’s los.
Hier gibt’s was Interessantes zu schnuppert, da gibt’s was zu sehen, hinter dem Busch springt ein Kaninchen auf und haben Sie die Taube bemerkt, die da drüben eben gelandet ist?
Ein Podenco ist immer wach. Er sieht alles, will alles wissen und muß überall seine lange Nase rein stecken. Jedes Mauseloch wird untersucht, ob vielleicht jemand zuhause ist.
Ein Spaziergang mit einem Podenco steckt ständig voller Überraschungen. Man weiß nie, was hinter dem nächsten Busch lauert.
Als Podenco- Spaziergänger werden Sie anfangen die Welt um Sie herum viel intensiver wahrzunehmen. Sie wollen den Hasen entdecken, bevor Ihr Podenco ihn gesehen hat. Sie wollen die Maus vor dem Loch warnen, bevor sie im Maul des Podencos verschwunden ist.
Ihre Wahrnehmung wird sich schärfen. Sie werden Schmetterlinge entdecken, bevor ihr Podi sie gesehen hat.
Die Welt wird einfach größer, viel lebendiger.
Wobei es ein Gerücht ist, dass man Stunde um Stunde spazieren gehen muß, um einen Podenco auszulasten.
Sie können mit einem Podi auch ganz phantastisch spazieren stehen!
Im Herbst zum Beispiel, wenn die Felder abgeerntet sind und das Stroh in einer Reihe liegt.
Da können Sie ewig stehen und jeden einzelnen Strohhalm umdrehen, um zu sehen, was darunter verborgen ist.
Oder ein kleiner Hügel, der von Mausgängen durchzogen ist. Stundenlang können Sie mit Ihrem Podi da stehen, bis er jedem einzelnen Mausegang nachgebuddelt hat. Machen Sie sich, genau wie die Mäuse, einen Spaß daraus, Ihren Podi zu beobachten und genießen Sie die Lebendigkeit, die er ausstrahlt.
Pure Begeisterung für die einfachsten Dinge.
Es gibt noch hunderte von Beispielen, die zeigen, dass ein Podenco weder kompliziert noch mühsam ist.
Ein Podenco ist... FREI
Ja, ich denke, das ist das Wort, das einen Podenco am besten beschreibt.
Diese Hunde tragen eine Freiheit in sich, wie ich selbst sie niemals haben werde.
Ich bin abhängig.
Von meinem Chef.
Von der Zahl auf meinem Bankkonto.
Ich brauche ein Dach über dem Kopf, möglichst fließendes Wasser und Strom. Ohne meinen Kühlschrank würde ich vermutlich irgendwann verhungern.
Schon bevor ich morgens überhaupt die Augen auf machte, beginnt meiner Abhängigkeit – von meinem Wecker.
Ein Podenco ist von nichts und niemand abhängig.
Also natürlich nehmen die Podis die Annehmlichkeiten, die ich zu bieten habe, herzlich gerne an.
Die kuschelige Decke auf dem Sofa, der lecker gefüllte Kühlschrank, die gemütlichen Körbchen vor dem Bollerofen, die immer vollen Wassernäpfe, die Streicheleinheiten...
All das wissen Podencos absolut zu schätzen.
Genau so scheint aber auch ganz tief in ihnen das Wissen verwurzelt zu sein, dass sie zur Not auch ohne mich klar kommen.
Podis versuchen nicht zu gefallen.
Podis machen was sie wollen, egal ob’s mir gefällt oder nicht.
Und genau da sind wir an dem Punkt angekommen, wo es mühsam und kompliziert wird.
Aber nicht, weil der Hund so ist.
Nein, weil der Mensch es mühsam und kompliziert macht.
Warum können wir die Freiheit, die diese wundervollen Hunde umgibt, so schwer akzeptieren?
Ich denke, das hat zwei Gründe.
Zum einen spielt bestimmte in bißchen Neid mit.
Gebe ich offen zu.
Ist bei mir auch so.
Ich würde auch gerne mal dieses absolute Gefühl von Freiheit empfinden und mit dem Wind um die Wette rennen.
Da möchte ich gerne mal meinen Nachbarn erleben, wenn ich einfach nur vor Freude juchzend einem Blatt hinterher renne.
Ich bin gefangen.
Jeder von uns ist in seinem Leben gefangen.
Daran werden wir nichts ändern können.
Ist einfach so.
Akzeptieren wir’s.
Die Podencos hingegen haben kein Gefängnis.
Okay, die Leine beim Spaziergang ist äußerst lästig.
Aber die Gedanken sind frei.
Und das ist der eigentliche Knackpunkt.
In dem sich der Podenco all diese Freiheiten raus nimmt, schränkt er unsere Freiheit ein.
Der Mensch empfindet es als eine Freiheit, über das Feld zu schlendern und die Hände in die Hosentasche stecken zu können.
Statt dessen eine Leine in der Hand halten und die Umgebung wahrnehmen zu müssen, ist eine Last.
Die Leine zu halten ist mühsam.
Ein Hund, der nicht wirklich zu erziehen ist, ist kompliziert.
NEIN
Wir Menschen sind mühsam und kompliziert.
Warum lassen wir uns von dem Podi nicht ein bißchen WIRKLICHE Freiheit zeigen?
Warum gehen wir nicht mit ihm über Stock und Stein – quer über das Feld – und rennen juchzend den Blättern nach?
Ich kenne keinen Hund, der so viel wahres Leben in sich trägt, wie ein Podenco.